Reken ist dem Deutschen Riga-Komitee beigetreten

Das Deutsche Riga-Komitee ist ein vom ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau angeregtes und vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. im Jahr 2000 gegründetes, in Europa einzigartiges Städtebündnis für das Erinnern an die Deportation von über 25.000 jüdischen Bürgerinnen und Bürger nach Riga und deren hauptsächlich im Wald von Bikernieki erfolgte Ermordung in den Jahren 1941/42.

Am letzten Mittwoch im Januar ist die Gemeinde Reken im Haus Uphave dem Deutschen Riga-Komitee als eine von nunmehr über 65 Kommunen beigetreten. Regierungspräsidentin Dorothee Feller in ihrer Funktion als Bezirksvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und Bürgermeister Manuel Deitert unterzeichneten im Beisein von Vertretern des Gemeinderates und des Heimatvereines Reken e.V. die Beitrittsurkunde. „Die Opfer aus der Anonymität herauszuholen sei wichtig“ betonte Dorothee Feller in ihrer Rede und bezog sich dabei auch auf die dem Beitritt zum Riga-Komitee voraus gegangene Verlegung von Stolpersteinen in der Gemeinde. Der Artikel 1 des Grundgesetztes sei nach zwei Weltkriegen bewusst verfasst worden und eine Verpflichtung für uns alle. „Verletzungen der Würde des Menschen sind ein Angriff auf unsere Gesellschaft. Stehen wir auf und zeigen Haltung.“

Regierungspräsidentin Dorothee Feller und Bürgermeister Manuel Deitert unterzeichnen die Beitrittsurkunde der Gemeinde Reken zum Deutschen Riga-Komitee.

Für diesen durch die Pandemie herausgezögerten Beitritt hatte sich der Gemeinderat bereits im Sommer 2020 ausgesprochen. Bürgermeister Manuel Deitert erläuterte bei seiner Begrüßung der Gäste, dass beide Termine am Vorabend des „Internationalen Gedenktages an die Opfer des Holocaust“, sowohl die Verlegung der Stolpersteine als auch der Beitritt zum Deutschen Riga-Komitee, noch einmal in einem ganz besonderen Kontext stehen: „Hermann Levinstein, dessen früheres Kaufhaus nur wenige Meter vom Haus Uphave entfernt ist, wurde genau morgen vor 80 Jahren unter unsäglichen Umständen nach Riga deportiert und in der Folge dort ermordet. Was mag er am Abend zuvor, heute vor 80 Jahren, gedacht und gefühlt haben? Es ist wichtig, dass wir an die grausamen, menschenverachtenden und menschenunwürdigen Taten erinnern und deren Opfer gedenken. Wir erinnern uns auch an die Geschwister Scholl und alle anderen, die mutig Wiederstand leisteten oder anderen Schutz und Hilfe gewährten und dafür allzu oft selbst mit dem Leben bezahlen mussten.“

Deitert hob das Engagement der Jugendlichen der Klasse 10 c der Sekundarschule Hohe Mark während der Verlegung der Stolpersteine hervor. „Ich habe heute die Klasse 10 c zu einer Erinnerungsfahrt nach Riga zur Gedenkstätte eingeladen.“ Wichtig sei es junge Menschen zu ermutigen, ihren Geist zu gebrauchen und nicht auf populistische Hetze einzugehen. In besonderer Weise stehe dafür das Lied „Die Gedanken sind frei“, gespielt von Elena Küper und Michael Bovenkerk, die die Veranstaltung musikalisch unterstützten und mit dem Lied „Für die Liebe“ von Berge emotional beendeten.

Im sehr kleinem Kreis wird die Gemeinde Reken im Haus Uphave Mitglied des Riga-Komitees. „Gut vorstellbar, dass es demnächst noch eine größere Feier gibt, wenn es die Pandemie zulässt“, bemerkt der Bürgermeister.