Geschichts-Museum in der Mensa

Am Ende des irrwitzigen Mordrausches der Nationalsozialisten im Dritten Reich, der heute Holocaust heißt, standen in kurzen sechs Jahren bis 1945 sechs Millionen tote europäische Juden. Mit diesem unwürdigen und zu verabscheuenden Abschnitt in der deutschen Geschichte hat sich die 9b der Sekundarschule Hohe Mark intensiv im Gesellschaftslehre-Unterricht des Schuljahres 2021/22 auseinandergesetzt, wie die Klassenlehrerin Wencke Müller berichtet: „Alle Schülerinnen und Schüler haben sich sehr mit dem 2. Weltkrieg beschäftigt. Wir haben deshalb beschlossen, zum Schuljahresabschluss ein kreatives Geschichts-Museum mit Schicksalen von Kindern und Jugendlichen zu schaffen, die von den Nazis aus dem Leben gerissen, teilweise zu Versuchen missbraucht und in großem Stil umgebracht worden sind.“

Noah (l.) hat zusammen mit seiner leider erkrankten Klassenkollegin Jana Daten und Fakten über das kurze Leben des in Wien geborenen und später in Deutschland wohnenden Alfred Wödl zusammengetragenen. Dieser litt unter einer Sprach- und Gehbehinderung, hervorgerufen durch eine Rauchvergiftung seiner Mutter während der Schwangerschaft. Von den Faschisten wurde der kleine Alfred seiner Mutter weggenommen und in eine „Rehaklinik“ gesteckt, wo er nur zwei Wochen später mit 6 Jahren angeblich an einer Lungenentzündung verstarb.

Am meisten betroffen waren die jüdischen Kinder, von denen Hitler’s Mörderbande 1,5 Millionen in die Gaskammern getrieben hat. Gründe für die Verfolgung, das Wegsperren und das Töten junger Menschen waren zum Beispiel aber auch die nicht blonde Haarfarbe, abweichende Meinungen, die falsche Religion, unerwünschte Staatsangehörigkeiten oder körperliche und geistige Behinderungen. Mit der Vita solcher Opfer haben die 9b-SchülerInnen zumeist in Zweier- und Dreiergruppen im Internet bei Google oder Wikipedia recherchiert. Fotos, Dokumente und Zeitungsausschnitte wurden heruntergeladen, in Erinnerungs-Kartons gepackt und den MitschülerInnen aus den anderen Jahrgängen in der letzten Schulwoche vor den Ferien in der Mensa präsentiert und mit großem Fach- und Sachwissen ausführlich erläutert. (hh)

Louis (l.) und Jan (r.) recherchierten über den 1924 im ostpreußischen Insterburg geborenen Bruno Bachler, der in einer kommunistisch orientierten Familie aufwuchs, bereits als Jugendlicher Mitglied der widerständigen Edelweißpiraten wurde und sich wie sein Vater gegen den Nationalsozialismus engagierte. Bereits 1933 starb der Vater in einem Konzentrationslager. Bruno erlernte den Beruf des Drehers, wurde 1942 zur Wehrmacht eingezogen und verteilte Flugblätter gegen die Nazis. Die Folge: Einweisung ins KZ Buchenwald, dann an die Ostfront. Bachler wurde angeschossen und schwer verletzt, kam zu seinem Glück in ein Lazarett nach Braunschweig. Er desertierte, versteckte sich bis Kriegsende in Sachsen, konnte so überleben, heiratete später und starb 2011 in Duisburg.